Aktionärsbrief der Thuringia Versicherung AG Geschäftsentwicklung im 1. Halbjahr 1999

24.08.1999 | Köln
Das Versicherungsgeschäft unserer Gesellschaft im ersten Halbjahr 1999 ist gekennzeichnet von gestiegenen Prämieneinnahmen im selbst abgeschlossenen Geschäft, einem Anstieg der Schadenbelastung und einer unveränderten Kostenquote.

Insgesamt ist die Entwicklung, insbesondere vor dem Hintergrund des anhaltend harten Wettbewerbs am Versicherungsmarkt, als zufriedenstellend zu bezeichnen und entspricht unseren Erwartungen.

Die Steigerung der Beitragseinnahme im selbst abgeschlossenen Geschäft ist dabei besonders positiv zu bewerten, da die Branche für 1999 einen Prämienrückgang erwartet. Aufgrund unserer kräftigen Steigerung der Neugeschäftsproduktion um über 30 % konnte ein positives Nettoproduktionsergebnis von rd. DM 20 Mio erzielt werden.

Die Beitragseinnahme im in Rückdeckung übernommenen Geschäft ist etwas gesunken, was aber ausschließlich auf die Neuordnung des Rückversicherungsgeschäfts im Konzern zurückzuführen ist.

Die Schadenbelastung ist nach den vorangegangenen freundlichen Jahren gestiegen. Auffallend sind hier sowohl ein Anstieg der Schadenstückzahlen als auch eine Kumulierung von Großschäden.

Die Kostenbelastung blieb gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres unverändert. Mehraufwendungen aus der letzten Tariferhöhung und für die Investitionen in laufende Strukturprojekte konnten durch die Einsparungen aus der inzwischen abgeschlossenen Zentralisierung der Verwaltungseinheiten in München ausgeglichen werden.

Natürlich ist es jetzt noch zu früh, um schon sichere Aussagen über das Gesamtergebnis am Jahresende zu machen. Wir sind aufgrund der bis jetzt vorliegenden Erkenntnisse und der getroffenen Maßnahmen aber zuversichtlich, daß aus dem Versicherungsgeschäft und dem allgemeinen (Finanz-) Geschäft ein Jahresüberschuß erzielt wird, der sowohl eine angemessene Dividenden-Ausschüttung an unsere Aktionäre als auch eine Stärkung der Eigenmittel ermöglicht.

Diese Einschätzung beruht auf folgenden Einzel-ergebnissen:

Beitragseinnahmen

Die gesamte Prämieneinnahme per 30.06.1999 beträgt DM 651,7 Mio und ist damit um DM 2,2 Mio höher als im Vorjahr. Die Beitragseinnahmen im selbst abgeschlossenen Versicherungsgeschäft sind im ersten Halbjahr 1999 von DM 453,0 Mio auf DM 457,7 Mio um 1 % gestiegen. Damit konnten wir uns dem Branchentrend deutlich widersetzen, der rückläufige Beitragseinnahmen aufzeigt. Die Ursache für diese positive Entwicklung liegt in der kräftigen Ausweitung unserer Neugeschäftsproduktion; hier macht sich der Ausbau unserer Vertriebsorganisation bemerkbar. Wir gehen deshalb davon aus, daß wir auch bis zum Jahresende die Zuwachsrate von 1 % zumindest halten können und erwarten für das selbst abgeschlossene Geschäft eine Prämieneinnahme von DM 737 Mio.

In den einzelnen Versicherungszweigen verläuft die Entwicklung der Beitragseinnahme unterschiedlich. In den Sachversicherungszweigen insgesamt ist per 30.06.1999 ein geringfügiger Prämienrückgang um 0,4 % festzustellen. Erfreuliche Zuwachsraten ergeben sich dagegen in der Allgemeinen Haftpflichtversicherung und der Allgemeinen Unfallversicherung, die höhere Prämieneinnahmen von 1,8 % und 3,5 % aufweisen.

Besonders positiv ist die Entwicklung der Beitragseinnahme in der vom Umfang her sehr bedeutsamen Kraftfahrtversicherung zu bewerten. Hier wurde in der Kraftfahrzeug-Haftpflichtversicherung ein Zuwachs von DM 3,6 Mio (= 2,4 %) und in der Fahrzeugvollversicherung von DM 2,4 Mio (= 3,8 %) erzielt. Dem stehen Prämienminderungen in der Fahrzeugteilversicherung und der Kraftfahrtunfallversicherung von insgesamt DM 2,2 Mio gegenüber. Insgesamt ergibt sich in der Kraftfahrtversicherung eine Prämiensteigerung von 1,6 %.

Schadenverlauf

Die Brutto-Schadenquote des selbst abgeschlossenen Geschäfts ist im ersten Halbjahr von 61,3 % kräftig auf 72,2 % gestiegen. Der Schadenaufwand für Versicherungsfälle des Geschäftsjahres liegt mit DM 330,5 Mio um DM 53,7 Mio über dem Vorjahreswert. Während bei einigen Versicherungszweigen wie Leitungswasser, Glas, Sturm, Hausrat und Wohngebäude deutlich geringere Schadenquoten festzustellen sind, haben sich die Quoten in der Feuerversicherung, den Technischen Versicherungen, der Betriebsunterbrechungsversicherung und im Bereich der Kraftfahrtversicherung deutlich erhöht. In der Feuer- und Betriebsunterbrechungsversicherung resultiert die höhere Schadenbelastung aus einigen Großschadenereignissen. Im Bereich der Kraftfahrtversicherung ist ein deutlicher Anstieg der Schadenstückzahlen und der durchschnittlichen Kosten je Schadenfall festzustellen.

Im einzelnen ergeben sich per 30.06.1999 in den vom Umfang her wesentlichen Versicherungszweigen folgende Schadenquoten:

Feuer 62,5 %, Einbruchdiebstahl 59,4 %, Leitungswasser 44,1 %, Glas 33,0 %, Technische Versicherung 70,0 %, Betriebsunterbrechungsversicherung 139,3 %, Hausrat 30,1 %,Wohngebäude 45,8 %, Allgemeine Haftpflicht 61,5 %, Allgemeine Unfall 72,7 %, Transport 93,1 %, Kraftfahrzeug-Haftpflicht 96,6 %, Fahrzeugvollversicherung 70,8 %, Fahrzeugteilversicherung 55,5 %.

Bei den Verwaltungskosten ist trotz tatsächlichem Anstieg eine positive Entwicklung zu erkennen. Obwohl in den Ausbau unseres Vertriebsnetzes kräftig investiert wurde und auch die anhaltenden Strukturprojekte insbesondere im Bereich der Datenverarbeitung Investitionen erforderten, entspricht die Kostenquote von 33,2 % der des Vorjahres. Hier macht sich besonders bemerkbar, daß die im Vorjahr durchgeführte Zentralisierung unserer Verwaltungseinheiten in München wesentlich zur Kostenminderung beiträgt. Wir gehen davon aus, daß durch die laufenden Strukturprojekte die erwarteten Synergieeffekte eintreten und die Kostenquote in den nächsten Jahren merklich gesenkt werden kann.

Kapitalanlagen und -Erträge

Der Bestand an Kapitalanlagen (ohne Depotforderungen aus dem Rückversicherungsgeschäft) ist von DM 1.486,5 Mio um DM 109,8 Mio auf DM 1.596,3 Mio gestiegen. Der Zuwachs beträgt damit 7,4 %. Von dem Zuwachs entfallen DM 33,0 Mio auf Festgelder und Termingelder bei Kreditinstituten, die nicht als Dauer-Kapitalanlage zu betrachten sind, sondern der Erhaltung der Liquidität im zweiten Halbjahr 1999 dienen. Das Schwergewicht der Kapitalanlage-Investitionen lag wegen der anhaltenden Niedrigzinsphase am Kapitalmarkt bei Schuldscheindarlehen von inländischen Kreditinstituten (DM 76,8 Mio) und bei Namens-Genußscheinen (DM 36,2 Mio). Darüber hinaus wurde stark am Aktienmarkt investiert. Der Erwerb von Aktien europäischer Gesellschaften wurde fortgesetzt. Insgesamt wurden Aktienwerte in Höhe von DM 61,3 Mio erworben. Bei den Anteilen an verbundenen Unternehmen und bei Beteiligungen ergaben sich keine Veränderungen.

Die laufenden Erträge aus Kapitalanlagen (ohne Depotforderungen aus dem Rückversicherungsgeschäft) haben sich im ersten Halbjahr 1999 gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres von DM 53,0 Mio um DM 0,9 Mio auf DM 53,9 Mio erhöht. Höhere Erträge ergaben sich bei den Mieteinnahmen und bei den Schuldscheinforderungen und Darlehen. In den übrigen Kapitalanlage-Positionen sind die Erträge dagegen zurückgegangen. Die Ertragsrückgänge in den einzelnen Positionen resultieren zum einen aus der anhaltenden Niedrigzinsphase am Kapitalmarkt, weil zur Rückzahlung fällig gewordene Wertpapiere nicht mehr mit gleich hohen Zinssätzen am Markt plaziert werden können und zum anderen aus Bestandsminderungen. Insgesamt kann davon ausgegangen werden, daß auch im Geschäftsjahr 1999 aus den laufenden Erträgen aus Kapitalanlagen und aus dem Wertzuwachs im Aktienbereich eine angemessene Steigerung der Erträge aus Kapitalanlagen erzielt wird.

Quelle: Pressemeldung Generali Deutschland Holding AG

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