Der deutsche Anleger legt sein Geld am liebsten in Deutschland an

03.12.2004 | Münster
Patriotismus lohnt nicht immer. Viele Depots können durch eine breitere Streuung optimiert werden

Nach dem Motto "da weiß man, was man hat" entfällt jede zweite Transaktion am Aktienmarkt auf heimische Papiere. Auch bei den Investment-fonds sind noch immer erhebliche Mittel in deutschen Aktien- und Rentenfonds angelegt, oft ohne dass auch andere Regionen abgedeckt sind.

Aber kann die Entwicklung eines deutschen Unternehmens heutzutage vor Ort wirklich besser eingeschätzt werden, als die eines Unternehmens in den USA? Und: können aufgrund dieser Nähe "attraktive" Unternehmen hier besser ausgewählt werden? Wohl eher nicht. Alle Zahlen sprechen selbst bei den Spezialisten, den Fondsmanagern, gegen diesen Heimvorteil. Ein Fondsmanager trifft auf seinem Heimatmarkt also keine bessere Einzeltitelauswahl als auf anderen Märkten bzw. als fremde Fondsmanager.

Die Vergangenheitsrendite sagt nicht alles

Und wie sieht der Renditevergleich mit den Märkten anderer Länder aus? Der Bundesverband Investment und Asset Management e.V. hat erst kürzlich Vergangenheitszahlen deutscher, europäischer und internationaler Aktienfonds verglichen. Hier zeigten sich tatsächlich etwas bessere Renditen bei den in Deutschland investierenden Fonds.

Aber zeigen diese Zahlen die ganze Wahrheit? Zum einen ist eine Stichtagsbetrachtung immer problematisch in ihrer Aussage, zum anderen wurde diese Rendite gerade bei Fonds, die stark in Dax-Werte investieren, auch mit deutlich höheren Schwankungen "erkauft". Diese Werte neigen zu Übertreibungen in beide Richtungen. Zudem stammen die Renditen auch aus Zeiten, in denen Deutschland als Wachstumslokomotive Europas galt. Für die nächsten Jahre ist dies leider kaum zu erwarten.

Im Index MSCI (Morgan, Stanley Capital International Inc.), der die Länder nach dem Börsenwert ihrer Unternehmen gewichtet, spielen deutsche Aktien übrigens mit rund 2,7 Prozent Anteil nur eine untergeordnete Rolle und rangieren zum Beispiel hinter Frankreich und der Schweiz.

Währenddessen haben die USA mit über 50 Prozent und auch Großbritannien mit mehr als 10 Prozent ein wesentlich stärkeres Gewicht. Ein weiteres Indiz dafür, auch über die Landesgrenzen hinweg zu schauen.

Was also ist zu tun?

Der erste Schritt zur Strukturierung eines mittel- bis langfristig ausgerichteten Depots ist eine Aufteilung auf festverzinsliche Wertpapiere einerseits und Aktien andererseits. Zudem sollte unabhängig von - ohnehin schwer zu treffenden - Zukunftsprognosen der einzelnen Märkte, eine Streuung auf mehrere Länder und Wirtschaftsregionen in jedem Depot zwingend berücksichtigt werden.

Am einfachsten lässt sich dies mit einem breit aufgestellten Investmentfonds umsetzen. Ob und wie stark hierbei neben europäischen auch internationale Werte mit einbezogen werden, hängt auch davon ab, wie stark das Währungsrisiko (bzw. die Währungschance) eine Rolle spielen darf.

Diversifikation: Fehlanzeige

In vielen Aktiendepots fehlt es nicht nur an der regionalen Streuung der Anlagen. Nach einer aktuellen Studie der Universität Mannheim besitzen über die Hälfte der privaten Anleger nur vier oder sogar noch weniger verschiedene Einzeltitel. Aktienfonds hingegen investieren in viele verschiedene Unternehmen, Länder und Branchen, um durch Diversifikation die Schwankungsbreite zu reduzieren.

Quelle: Pressemeldung LVM Versicherungen

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