Henkell & Co. Sektkellerei feiert Jubiläum des Stammhauses
Den hundertjährigen Geburtstag seines Sitzes in Wiesbaden feiert die Henkell & Co. Sektkellerei KG nun mit einer historischen Ausstellung zur Entstehung und den Bauphasen des vom renommierten Architekten Paul Bonatz entworfenen Bauwerks. Die spannende Dokumentation ist noch bis Ende des Jahres im Gründersaal der Sektkellerei zugänglich.
Unternehmenserfolg braucht Platz
Die Initiative zum Bau eines neuen Firmensitzes ging von Otto Henkell aus. Der Enkel des Unternehmensgründers Adam Henkell trat 1891 in das Familienunter-nehmen ein, das bereits 1832 als Weinhandlung in Mainz begann und seit 1856 mit der Herstellung von Sekt floriert. Enkel Otto überraschte mit besonders fortschrittlichen Marketingideen und zählte damit zu den Vorreitern seiner Zeit. So erkannte er die Bedeutung des Markenartikels und führte die bis heute erfolgreiche Marke Henkell Trocken ein. Dementsprechend setzte Otto Henkell auch auf Werbung und investierte ein für damalige Zeit enorm hohes "Reklamebudget", das schon 1904 stolze 100.000 Mark betrug. Dank seiner innovativen Strategien steigerte Henkell & Co. seine Geschäftserfolge in Dimensionen, die das Raumangebot des alten Stammhauses in der Walpodenstraße in Mainz schließlich überforderten. Bereits 1906 fasste Visionär Otto Henkell den Beschluss zu einem umfangreichen Kellereineubau, der Produktion, Verwaltung und Repräsentation unter einem Dach vereinen sollte.
Beste Architekten lieferten Entwürfe
Nachdem man sich für ein Gelände auf dem Areal einer ausgebeuteten Kiesgrube in Wiesbaden-Biebrich entschieden hatte, suchte das Unternehmen nach einem optimalen Entwurf für das neue Gebäude. Dabei war Otto Henkell das Beste gerade gut genug: Sieben namhafte Architekten wurden zu einem Wettbewerb eingeladen. Im August 1907 - noch vor der offiziellen Entscheidung - vergab Otto Henkell den Auftrag an den damals gerade 30-jährigen Architekten Paul Bonatz. Kurz darauf schloss sich die Jury aus Fachleuten seinem Vorschlag an. Bonatz Entwurf umfasste eine fünfstöckige Kelleranlage, in der zukünftig Weine ausgebaut sowie Cuvées zusammengestellt und zu Sekt veredelt werden sollten.
Die Zwischengeschosse waren für Fluchten von Rüttelpulten ausgelegt. Die hohen Geschosse waren riesigen Fass- und Flaschenlägern (Gärlager, Ruhelager) vorbehalten. Die eigentliche Produktion dagegen fand oberirdisch statt. Hier gab es neben der Degorgierhalle, die für die Enthefung des Rohsektes vorgesehen war und heute für interne Veranstaltungen genutzt wird, die so genannte Packhalle. Hier, wo die Flaschen verkorkt, etikettiert und zum Transport vorbereitet wurden, erfolgt mittlerweile die Abfüllung von jährlich 90 Millionen Flaschen Sekt. Der auffälligste Gebäudeteil im Innenbereich war und ist bis heute der prächtige Marmorsaal: ein repräsentatives Foyer, ursprüng-lich streng klassizistisch, das vom Unternehmen bis heute für Repräsentation, Empfänge, Feste und Konzerte genutzt wird. Erst zwei Jahrzehnte nach Eröffnung der Kellerei wurde der Marmorsaal im Auftrag Otto Henkells mit zahlreichen neoklassizistischen Stuck-Elementen und Rokoko-Rocaillen in seine heutige schlossartige Atmosphäre versetzt.
Vorzeigeprojekt für Prof. Paul Bonatz
Bereits im Oktober 1907 begannen die Umsetzungen des Entwurfes von Paul Bonatz. In Rekordzeit wurde der neue Unternehmenssitz fertiggestellt: Etwa zwei Jahre nach Baubeginn, im Oktober 1909, konnte zunächst die Exportabteilung der Henkell & Co. Sektkellerei in ihr neues Domizil einziehen. Am 27. November 1909 fand schließlich die offizielle Einweihung von Henkellsfeld statt.
Die enorm rasche Realisierung des Entwurfes von Paul Bonatz wurde durch einen damals noch neuartigen Werkstoff, den Beton, ermöglicht. Einige Produktionsräume und die Kellergeschosse geben den Blick frei auf die Form der Träger-Konstruktion und damit auf die Vorgehensweise beim Bau des Gebäudes.
Die zügige Fertigstellung, die organisatorische Meisterleistung sowie das Prestige des prächtigen Kellereigebäudes sollten der bereits erfolgreichen Karriere des damals 32-jährigen Architekten Paul Bonatz einen weiteren, wichtigen Schub verleihen. So wird er 1908 als ordentlicher Professor an die TH Stuttgart berufen, für den Lehrstuhl Entwerfen und Städtebau in der Nachfolge seines Lehrers Theodor Fischer. Neben seiner Lehrtätigkeit ist Bonatz auch laufend mit Bauaufträgen beschäftigt. Zu seinen Arbeiten gehören unter anderem öffentliche Bauten wie die Universitätsbibliothek Tübingen (1910-1912) und der Stuttgarter Hauptbahnhof (1914 -1928) sowie Geschäftsgebäude wie der Zeppelinbau in Stuttgart (1929-1931). Später realisierte der international tätige Architekt außerdem Projekte wie die Staatsoper in Ankara (1944-1948). Zudem beschäftige er sich mit technischen Anlagen und arbeitete ab 1926 an den Staustufen des Neckarkanals mit. In seinen Entwürfen von Privathäusern zeigte er eine Vorliebe für herrschaftliche, repräsentative Bauten - die in ihrer Eleganz und Großzügigkeit immer wieder an die Sektkellerei Henkell & Co. Erinnern.
100-jähriger Geburtstag mit Fotodokumentation
Mit einer Ausstellung im Gründersaal erinnert die Henkell & Co. Sektkellerei anlässlich des Jubiläums nun an die Entstehungsphase ihres Stammhauses: historische Fotografien dokumentieren die Bauphasen von der Vermessung bis zur Fertigstellung der Kellerei. Dazu werden Bilder aus der damaligen Produktion und Exponate aus der zeitgenössischen Werbung gezeigt. Die spannende Zeitreise ist bis Ende 2009 zugänglich und in dieser Zeit Bestandteil der Unternehmensführungen. Parallel zur Ausstellung hat die Sektkellerei eine Broschüre neu aufgelegt, die 1910 für Gäste und die Besucher der Kellerei erstellt wurde und einen zeitgenössischen Einblick in die damals bereits über 75-jährige Tradition der Kellerei in Mainz und die Ausgestaltung der neuen Sektkellerei auf Henkellsfeld in Wiesbaden-Biebrich vermittelt.
Quelle: Pressemeldung Henkell & Söhnlein Sektkellereien KG
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