Kapitalmärkte 2009: RZB sieht Talsohle in Reichweite

30.12.2008 | Wien
Peter Brezinschek, Chefanalyst der Raiffeisen Zentralbank Österreich AG (RZB), erwartet die Talsohle für die konjunkturelle Entwicklung Mitte 2009.

"In der zweiten Jahreshälfte lässt der Schmerz nach, auch wenn der Weg nach oben steinig sein wird", so Brezinschek. "In Verbindung mit rasch abnehmenden Inflationsdaten bis Sommer 2009 trauen wir den Staatsanleihenrenditen daher neue historische Tiefstände zu."

Für Helge Rechberger, Leiter der RZB-Aktienmarktanalyse, scheint die Finanzkrise in ihrem eigentlichen Sinne gemeistert. "Trotz der staatlichen Stützungsmaßnahmen und der Anstrengungen der Notenbanken werden die extrem tiefen Konjunkturvorlaufindikatoren in Kombination mit den stark einsetzenden Gewinnrevisionen die Börsen anfangs nach unten ziehen", sagt Rechberger.

Konjunktureinbruch hält 2009 an - Stabilisierung 2010 erwartet

"Die Konjunkturvorlaufindikatoren sind dramatisch eingebrochen. Ob Unternehmens- oder Konsumentenumfragen, seit Jahrzehnten wurden keine so tiefen Werte registriert," meint Brezinschek. Wie stark somit die Produktion im Jahresverlauf 2009 zurückfallen wird, ist mangels historischer Vergleichsdaten schwer einzuschätzen. Ein drastischer Wettlauf der Konjunkturprognosen nach unten hat eingesetzt.

Die Zahlen für die gesamtwirtschaftliche Wertschöpfung - kurz reales Bruttoinlandsprodukt (BIP) genannt - zeigen allesamt das Ende einer fünfjährigen Hochkonjunktur. Die Kombination aus globaler Finanz- und Wirtschaftskrise lässt keine schnelle Überwindung der Abwärtsbewegung erwarten. So findet 2010 höchstwahrscheinlich nur eine Stabilisierung des BIP auf niedrigem Niveau statt.

Erste globale Nullzinspolitik - wieder leichte Aufwertung des US-Dollars

Die Zentralbanken haben sich fast überall auf eine Nullzinspolitik festgelegt. Die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte zwar eine Sonderstellung einnehmen, aber ebenfalls auf historische Zinstiefs zusteuern. Mit 1,25 Prozent beim Leitzins bis Sommer 2009 hat die EZB aber noch deutlich mehr Senkungspotenzial als der Markt ihr zutraut. Damit wird den Geldmarktzinsen auch in der Eurozone eine anhaltende Talfahrt beschert. In Verbindung mit einer leichten Entspannung der hohen Risikoaufschläge unter den Banken wird der 3MonatsEURIBOR ab Jahresmitte die 2 Prozentmarke nach unten durchbrechen (aktuell: 3,0 Prozent).

Die zur Jahresmitte an die Nullmarke zurückfallenden Inflationsraten und die tiefen Geldmarktzinsen erlauben auch neue Renditetiefs bei den US- und Euro-Staatsanleihen. Allerdings sollte in Zeiten unterschiedlicher Risikoeinschätzung der extreme Aufschlag zu deutschen Benchmarks innerhalb der Eurozone beachtlich bleiben. Ebenfalls rekordverdächtig hoch werden sich die Renditeaufschläge bei Unternehmensanleihen darstellen. Während für schlecht geratete High Yield-Anleihen noch keine Wende in Sicht ist, bahnt sich für Industrie- und Finanztitel guter Bonität eine Abnahme der hohen Renditeabstände zu Staatsanleihen im Verlauf des ersten Halbjahres an.

Das markante Abschmelzen der Zinsdifferenzen wird 2009 für eine Unterbrechung der US-Dollarschwäche im ersten Quartal sorgen. Auf längere Sicht bahnt sich jedoch eine noch nie dagewesene Dollarschwemme an. Daher erwartet Brezinschek den US-Dollar zum Euro bei zumindest 1,50 auf 12-Monatssicht.

Schwächere Aktienbörsen im ersten, Erholung im zweiten Halbjahr

Die Zinsreduktionen auf Nullzinsniveau werden sehr bald ihre stabilisierende Wirkung auf die Aktienbörsen verlieren. Mit einbrechenden Aufträgen und markanten Gewinnrückgängen konfrontiert, dürften die Ertragsrevisionen der Unternehmen im Verlauf des ersten Quartals neuerliche Rückgänge der Aktienindizes mit sich bringen. Die Anleger rechnen bei den Aktien weltweit mit rund 30 Prozent Gewinnrückgang. Entsprechend starke Revisionen ihrer Gewinnschätzungen werden auch die Analysten noch vornehmen müssen. "Verlierer" der ersten Monate 2009 dürften somit neuerlich die Sektoren Industrie, zyklischer Konsum und Grundstoffe sein, während sich Aktien der Bereiche Gesundheit und defensiver Konsum vergleichsweise gut halten sollten.

"Für die zweite Jahreshälfte und 2010 erwarten wir eine Stabilisierung der Gewinne. Somit könnte ab dem Frühjahr eine turbulente Berg- und Talfahrt mit versöhnlichem Jahresausklang eingeleitet werden, " schließt Rechberger.

Quelle: Pressemeldung Raiffeisen Zentralbank Österreich AG

Dieser Beitrag wurde bisher 107 mal gelesen.
(Rang 825 auf wallstreet-letter.de)

Klicken Sie hier um zum Anfang der Seite zu gelangen.

Weitere News

Aktienkurse analysieren wie die Profis

21.03.2012 | Der Handel mit Wertpapieren an der ist sehr komplex. Besonders private Anleger sind nicht mit den gleichen...

weiter in Aktienkurse analysieren wie die ...

Die Zeit drängt: Höhere Förderung für besonders energieeffiziente Anlagenkombinationen

377 mal gelesen. Rang 17 auf wallstreet-letter.de.

08.11.2011 | Für besonders energieeffiziente Anlagenkombinationen gibt es nach den Richtlinien zur Förderung von Maßnahmen...

weiter in Die Zeit drängt: Höhere Förderung ...

Girokonto ohne Kontoführungsgebühren

372 mal gelesen. Rang 19 auf wallstreet-letter.de.

04.11.2011 | Welchen Anspruch hab ich an mein Girokonto. Diese Fragen sollte man sich stellen, wenn auf dem Kontoauszug der...

weiter in Girokonto ohne ...

NÜRNBERGER Leben erneut mit Bestnoten ausgezeichnet

24.10.2011 | Die NÜRNBERGER Lebensversicherung AG (NLV) sieht sich auf die Einführung neuer Eigenkapitalvorschriften im...

weiter in NÜRNBERGER Leben erneut mit ...

Lammert: Eine kontroverse Diskussion in der Slowakei über die EU-Krise ist legitim

13.10.2011 | Bei den Gesprächen des Bundestagspräsidenten in Stockholm, wo sich Norbert Lammert seit gestern auf Einladung...

weiter in Lammert: Eine kontroverse ...



Aktuelles

Aktienkurse analysieren wie die Profis

Der Handel mit Wertpapieren an der ist sehr komplex....

weiter ...

Die Zeit drängt: Höhere Förderung für besonders energieeffiziente Anlagenkombinationen

Für besonders energieeffiziente Anlagenkombinationen gibt es...

weiter ...

Weitere Themen

Eine ausgezeichnete Woche für juwi

Projektentwickler erhält Sustainability Award und...

weiter ...

EvoBus Werk Mannheim bis Jahresende gut ausgelastet

EvoBus baut das Kompetenzcenter Rohbau im Werk Mannheim...

weiter ...

Archiv

Privatinsolvenzen - Deutschlandtrend steigt drastisch!

Auch, wenn sich die Wirtschaftslage in Deutschland langsam...

weiter ...

Kroatiens Wirtschaft hat Wachstumspotenzial

Vorbereitung des EU-Beitritts eröffnet Investoren viele...

weiter ...

Verschiedenes

Dax auf Jahreshoch, kratzt an der 7.000 Punkte Marke

Der Dax kratzt derzeit an der magischen Grenze von 7.000...

weiter ...

Festplatten nach Hochwasser in Thailand teurer

Preise steigen in Deutschland um durchschnittlich 80 Prozent...

weiter ...