Kapitalmarktausblick 2006
Die Weltwirtschaft wird im kommenden Jahr zwar etwas langsamer wachsen als 2004 und 2005. Ein Abgleiten in eine Rezession ist jedoch nicht zu erwarten, stellt die Deutsche Bank in ihrem Kapitalmarktausblick 2006 fest. Klaus Martini, Global Chief Investment Officer für Privatkunden der Deutschen Bank, sagte der Presse am heutigen Donnerstag in Frankfurt: "Die Reflationierung der vergangenen Jahre wird 2006 auslaufen. Das Investitionsumfeld wird sich somit für private Anleger normalisieren. Gleichzeitig nimmt vor diesem Hintergrund die Prognoseunsicherheit für 2006 sowie insgesamt die Volatilität an den Märkten zu. Wer jedoch als privater Anleger eine flexible Strategie verfolgt, dem eröffnen sich auch künftig interessante Gelegenheiten."
Während die Rentenmärkte eher wenig Potenzial haben, bieten die Aktienmärkte weiterhin attraktive Renditechancen, so Martini: "Die Gewinne der Unternehmen wachsen solide, und die Globalisierungsdividende zahlt sich aus. Das sind gute Voraussetzungen für eine positive Entwicklung der Aktienmärkte." Auch Alternative Investments bleiben interessant, wobei nach Ansicht von Martini in dieser Anlageklasse weiterhin eine sehr sorgfältige Auswahl notwendig ist.
Globales Wachstum von rund 3,3 Prozent für 2006 erwartet
Aus Sicht der Deutschen Bank befindet sich die Weltwirtschaft 2006 weiterhin auf einem guten Weg. Für das Gesamtjahr erwartet sie ein Wachstum von rund 3,3 Prozent. Nach den sehr dynamischen Jahren 2004 (mit 5 Prozent) und 2005 (mit erwarteten 4,3 Prozent) bedeutet dies zwar eine leichte Abschwächung. Das Wachstum bleibt jedoch sehr robust und verläuft nach Struktur und Regionen ausgewogener. Klaus Martini: "Die USA sind weiterhin die Wachstumslokomotive, doch neue Akteure aus Asien werden zunehmend in diese Rolle wachsen."
So wird die chinesische Wirtschaft voraussichtlich auch 2006 die 8-Prozent-Rate übertreffen und damit deutlich schneller wachsen als der Rest der Welt. Auch Indiens Bruttoinlandsprodukt (BIP) sollte im nächsten Jahr um über 6 Prozent steigen. In den USA verlangsamen sich dagegen die Konsumausgaben, hohe Energiepreise und eine restriktivere Geldpolitik wirken als Wachstumsbremse. Ein BIP-Zuwachs von lediglich rund 3 Prozent im Jahr 2006 dürfte die Folge sein. Für Euroland erwartet Martini eine Wachstumssteigerung gegenüber dem Vorjahr, dennoch dürfte sich die 2-Prozent-Hürde aus strukturellen Gründen als unüberwindbar erweisen.
Weniger Inflation und Geldpolitik eher restriktiv
Die Inflation wird sich im Laufe des Jahres 2006 vom aktuell hohen Niveau deutlich abschwächen. Dies dürfte vor allem auf Basiseffekte bei den Energiepreisen und auf den globalen Wettbewerbsdruck zurückzuführen sein. Zudem sind die Kapazitäten noch nicht voll ausgelastet. Die amerikanische und die europäische Notenbank werden voraussichtlich eine eher restriktive Geldpolitik verfolgen, die zu einer Normalisierung des noch relativ niedrigen Leitzinsniveaus führt. Den Leitzins der US-Notenbank sieht die Deutsche Bank bei einem Gipfelpunkt von 4,50%. Die EZB hat das erste Mal seit Mitte 2002 ihren Refinanzierungs-Satz um 25 Basispunkte auf 2,25% erhöht. Weitere Zinserhöhungen stehen im Raum.
Der US-Dollar hat 2005 gegenüber dem Euro und dem Yen deutlich aufgewertet, da der Zinsvorteil am kurzen und langen Ende einen stärkeren Einfluss hatte als das langfristige negativ wirkende Leistungsbilanzdefizit. "Langfristig erwarten wir jedoch", so Klaus Martini, "dass das enorme Leistungsbilanzdefizit der USA den Dollarkurs wieder drücken wird."
Bei Renten selektiv Chancen in Schwellenländern nutzen
Im Herbst 2005 war eine Renditesteigerung bei 10-jährigen US-Treasuries und Bundesanleihen zu beobachten. Aufkommende Inflationsängste und eine agressivere Leitzinserwartung in den USA haben dazu beigetragen. Allerdings wird der Renditeanstieg am langen Ende durch strukturelle Ungleichgewichte wie überschüssige Ersparnisse der Schwellenländer und von Unternehmen sowie demographischen Trends in Grenzen gehalten. Entsprechend geht Klaus Martini von einer Seitwärtsbewegung der Renditen aus. Insgesamt erscheinen die Risikoaufschläge vor allem bei Unternehmensanleihen und teilweise bei Anleihen von Schwellenländern zu niedrig. Ausgewählte Anleihen von Schwellenländern bieten durchaus Anlagechancen.
Aktienmärkte weiterhin günstig bewertet
Nach der insgesamt sehr positiven Entwicklung der Aktienmärkte in diesem Jahr sieht Martini für 2006 Raum für weitere Kurssteigerungen. Europäische Aktien profitieren seiner Meinung nach besonders von der Globalisierungsdividende und sind weiterhin moderat bewertet. Für US-Unternehmen dürfte sich ein langfristig schwächerer Dollar positiv auswirken, doch höhere Zinsen und Energiepreise könnten das Wachstum dämpfen, so der Anlagestratege der Deutschen Bank.
Japanische Werte, die unter anderem von einem höheren Konsum, dem Ende der Deflation und den engen Handelsverflechtungen mit den asiatischen Wachstumsländern profitieren, bleiben Martinis Favoriten. "Sie sind weiterhin attraktiv bewertet. Steigende Gewinne, eine zunehmende Profitabilität und hohes Aufholpotenzial sollten am japanischen Aktienmarkt auch 2006 für Aufwärtspotenzial sorgen", so Klaus Martini.
Alternative Investments bleiben attraktiv
"Alternative Investments gehören nach wie vor in jedes gut diversifizierte Portfolio. Sie sollten aber sehr selektiv genutzt werden", betont Martini. Der Trend zu teureren Rohstoffen dürfte sich fortsetzen, da Asien weiterhin massiv als Konsument auftritt und bestehende Kapazitätsengpässe nur langsam behoben werden können. Öl bleibt historisch gesehen teuer. Jedoch sollte die nachlassende globale Nachfrage den Ölpreis leicht reduzieren. Seit Mitte 2005 wird deutlich, dass der Goldpreis vor allem durch einen strukturellen Nachfrageüberhang bestimmt wird. Klaus Martini: "Gold besitzt auch 2006 weiteres Kurspotenzial, da es neben der physischen Nachfrage immer mehr als Absicherungsinstrument genutzt wird."
Weitere Themen, die in 2006 für den Anleger interessant werden könnten, sind M&A-Aktivitäten in Euroland, Zukunftsressourcen, Life Science, Emerging Markets und Infrastrukturinvestitionen.
Quelle: Pressemeldung Deutsche Bank AG
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