Winn: Aus floatendem Punktwert wird floatender Euro, ärztliches Honorar bleibt weiter gedeckelt
"Beim neuen Bewertungsmaßstab für ärztliche Leistungen verhält es sich wie bei einem Scheinriesen: Je näher man ihm kommt, je mehr man sich damit beschäftigt, desto kleiner wird er", sagte Winn in einer ersten Stellungnahme. So entpuppe sich die inzwischen von vielen verkündete 10prozentige Erhöhung der ärztlichen Honorare bei genauerer Betrachtungsweise lediglich als 10prozentige Erhöhung der Punktzahlen für die jeweilige ärztliche Leistung. "Und kein Mensch weiß doch heute, was die Punkte ab 2009 wirklich Wert sind", sagte Winn. Bereits die Einführung des EBM 2000plus habe schmerzlich belegt, wie aus einem zu Grunde gelegten kalkulatorischen Punktwert von 5,11 Cent in der durchschnittlichen Auszahlung am Ende 3,7 Cent geworden seien. "Mit der Folge, dass seit Jahren Leistungen im Umfang von 30 Prozent nicht vergütet werden", sagte Winn. Somit könne beim neuen EBM erst mit der Festlegung des Punktwertes im Herbst 2008 wirklich beurteilt werden, ob die KBV erfolgreich für ihre Ärzte verhandelt habe. Als "besonders bitter" bezeichnete es Winn, dass ungeachtet der Frage des ab 2009 gültigen Punktwertes die Ärzte in Deutschland auch weiterhin in einem budgetierten System Leistungen ohne Vergütung zu erbrin-gen hätten. Anders als von Kassenärztlicher Bundesvereinigung und Ge-sundheitsministerium angekündigt, werde nämlich im ambulanten Bereich das Morbiditätsrisiko auch künftig von der Ärzteschaft getragen. Zwar orientiere sich die Gesamtvergütung künftig an der Morbiditätsentwicklung der Versicherten, werde jedoch weiterhin mit befreiender Wirkung gezahlt. Winn: "Damit werden dem Arzt auch nach 2008 nicht alle Leistungen angemessen honoriert, die er im vertragsärztlichen Bereich erbringt." Solange notwendige und wirtschaftliche ärztliche Leistungen über das Regelleistungsvolumen hinaus abgestaffelt vergütet würden, würden lediglich die floatenden Punktwerte von gestern durch floatende Eurowerte von morgen ersetzt. Vor dem Hintergrund einer überproportionalen Aufwertung vertragsärztli-cher Leistungen bestimmter Facharztgruppen im EBM warnte Winn zugleich vor einer Zuspitzung des innerärztlichen Verteilungskampfes. Angesichts der Tatsache, dass die Leistungen im Hausarztkapitel des EBM 2008 um 21 Prozent angehoben worden seien, während die Facharztgruppen lediglich mit knapp 5,5 Prozent Anhebung rechnen könnten, sei ein innerärztlicher Konflikt um die Vergütungsanteile geradezu vorprogrammiert. Winn: "Dies ist allein schon deshalb absehbar, weil die ursprünglich von der KBV geplante Trennung des Orientierungswertes für Haus- und Fachärzte vom Gesetzgeber abgelehnt worden ist." Winn forderte die KBV auf, unverzüglich eine differenzierte Regelung zur gerechten Verteilung zwischen den Versorgungsbereichen zu entwickeln.
Quelle: Pressemeldung Hartmannbund - Verband der Ärzte Deutschlands e.V.
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