Drei Schlucht Projekt: wie China seine Energieversorgung langfristig sichert

0

Nach insgesamt 21 Jahren wurde das Drei Schlucht Projekt erfolgreich abgeschlossen. China hat damit das größte Wasserkraftwerk der Erde errichtet. Seit 2012 liefert das Kraftwerk 22,5 Gigawatt und toppt damit Itaipú, das an der Grenze zwischen Brasilien und Paraguay liegt und „nur“ 14 Gigawatt erzeugt. Für China bedeutete das Kraftwerk von Anfang an das Sichern der Ressourcen für den ständig steigenden Bedarf der Wirtschaft an Energie. Doch das „Drei Schlucht Projekt“ leistet noch mehr.

Das „Drei Schlucht Projekt“: das China-Projekt mit Geschichte

Der Traum Chinas zum "Drei Schlucht Projekt" ist bereits 100 Jahre alt. (#4)

Der Traum Chinas zum „Drei Schlucht Projekt“ ist bereits 100 Jahre alt. (#4)

Der Bedarf der Wirtschaft Chinas an Energie hat in den letzten Jahrzehnten Jahr für Jahr zugenommen. Der Jangtsekiang bietet sich für die Energiegewinnung an. Diese Idee ist nun nicht neu. Geäußert hat diese Idee erstmals Sun Yat-sen im Jahr 1919. Mit dem Gedanken der Energiegewinnung verbunden war auch stets der Wunsch, den Fluss zu bändigen, führten seine Überschwemmungen regelmäßig zu Naturkatastrophen, die teilweise über 100.000 Menschen das Leben kosteten.

Die Idee mit dem „Drei Schlucht Projekt“ die Energiegewinnung zu starten, wurde erst Mitte der 1940er Jahre aufgegriffen. Damals beauftragte man das „United States Bureau of Reclamation“ mit dem Entwurf einer Talsperre. Das „Drei Schlucht Projekt“ wurde jedoch gestoppt, bevor es vollendet werden konnte. Auslöser für den Abbruch des Projekts war der chinesische Bürgerkrieg.

Den nächsten Anlauf zum „Drei Schlucht Projekt“ startete Mao Zedong im Jahr 1958. Auch dieses Mal scheiterte das „Drei Schlucht Projekt“. Der Grund waren dieses Mal die immensen Kosten.

Die Gezhouba-Talsperre: die Interimslösung

Das „Drei Schlucht Projekt“ begleitete China jedoch durch das gesamte letzte Jahrhundert. Im Jahr 1969 strengt die Provinz Hubei das Projekt erneut an. Ausgerechnet der frühere Protagonist des Projekts – Mao Zedong – war es, der das Projekt nun ablehnte. Die Gründe waren dieses Mal politisch-militärischer Art.

Dennoch entwickelte sich aus dem Anlass heraus ein kleines China-Projekt, nämlich jenes der Gezhouba-Talsperre. Die Gezhouba-Talsperre wurde im Jahr 1988 als das erste Wasserkraftwerk am Jangtsekiang in Betrieb genommen. Die Gezhouba-Talsperre war zugleich auch zu diesem Zeitpunkt das leistungsstärkste Kraftwerk in China.

Gezhouba gehört mit seiner Gesamtleistung von 2.715 Megawatt und seiner Jahresstromproduktion von 14.100 GWh noch immer zu den 100 größten Wasserkraftwerken der Erde. Gezhouba liegt bei der Stadt Yichang und damit etwa 38 km unterhalb der Drei-Schluchten-Talsperre.

Die Gezhouba-Talsperre bei Yichang darf sich als Vorläufer des "Drei Schlucht Projekt" verstehen. Die Talsperre sorgte mit ihrer Gesamtleistung von 2.715 Megawatt für eine Linderung der Energieknappheit Chinas. (#1)

Die Gezhouba-Talsperre bei Yichang darf sich als Vorläufer des „Drei Schlucht Projekt“ verstehen. Die Talsperre sorgte mit ihrer Gesamtleistung von 2.715 Megawatt für eine Linderung der Energieknappheit Chinas. (#1)

Zunehmende Energieknappheit in den 1980ern

Deng Xiaoping erklärte das „Drei Schlucht Projekt“ im Rahmen seiner Reform- und Modernisierungspolitik zum Schlüsselprojekt. Grund dafür war der weiter steigende Energiebedarf der chinesischen Wirtschaft. Eine Energieknappheit zeichnete sich zusehends ab.

So kam es 1985 dazu, das das „Drei Schlucht Projekt“ erneut aktiviert wurde. Dieses mal kam der Widerstand von unerwarteter Seite. Es war der Nationale Volkskongress, der sich dem China-Projekt entgegenstellte. Dies führte dazu, dass zunächst Vertiefungsstudien angestoßen wurden. Die Weltbank und die kanadische Regierung finanzierten eine Machbarkeitsstudie, die 1986 von einem chinesisch-kanadischen Konsortium durchgeführt wurde.

Offene Rebellion gegen das „Drei Schlucht Projekt“

Es sollte noch bis 1992 dauern, bis das „Drei Schlucht Projekt“ seinen nächsten Meilenstein erreichte. Der Nationale Volkskongress genehmigte das „Drei Schlucht Projekt“. Doch die Genehmigung erfolgte mit einer noch nie dagewesenen niedrigen Mehrheit. 1.767 Stimmen gab es für das Projekt, 177 Stimmen fielen dagegen und 664 Enthaltungen.

Widerstand gegen das „Drei Schlucht Projekt“ gab es auch von anderer Seite. Obwohl jede Kritik an dem Projekt untersagt wurde, formulierte die Projektgegnerin Dai Qing ihren Widerstand in ihrem Buch, das sofort verboten wurde. Zudem wurde Dai Qing für zehn Monate inhaftiert und mit einem Publikationsverbot belegt. Ministerpräsident und ehemalige Energieminister Li Peng war zu dem Zeitpunkt Protagonist des „Drei Schlucht Projekt“.

Das „Drei Schlucht Projekt“ in Zahlen

Das „Drei Schlucht Projekt“ lief in mehreren Schritten ab. Schon sehr früh gingen 14 Turbinen des Wasserkraftwerks in Betrieb. In den folgenden Jahren wurden weitere 20 Francis-Turbinen fertiggestellt. Im Jahr 2012 erreichte das Wasserkraftwerk seine maximale Ausbaustufe. 32 Francis-Turbinen mit einer Leistung von jeweils 700 Megawatt erzeugen die Gesamtleistung des Wasserkraftwerks von 22,5 Gigawatt. Für den Eigenbedarf produzieren zwei kleinere Francis-Turbinen mit jeweils 50 Megawatt. Wollte man die gleiche Strommenge aus Kohle erzeugen, welche das Kraftwerk des „Drei Schlucht Projekt“ im Jahr 2014 produzierte, so wären dafür nicht weniger als 49 Millionen Tonnen Kohle nötig.

Die offiziellen Kosten des „Drei Schlucht Projekt“ belaufen sich auf 27 Milliarden Euro ( 203 Milliarden CNY ) – andere Schätzungen gehen von 39 Milliarden Euro aus.

Das „Drei Schlucht Projekt“ und die Schifffahrt

Auch die Schiffahrt auf dem Yangtsekiang wurde durch das „Drei Schlucht Projekt“ gefördert. Ein Schiffshebewerk war das zuletzt in Dienst gestellte Teilprojekt.

Das Wasserbecken der Schiffskammer des Hebewerkes ist 120m lang, 18m breit und 3,5m tief. Ihr Gewicht einschließlich Wasser und Mechanik liegt bei 15.500 t. Mit der Schiffskammer werden Schiffe um 113m gehoben. Das Schiffshebewerk im „Drei Schlucht Projekt“ ist aktuell das größte der Welt. Dennoch ergänzt das Schiffshebewerk nur die fünfstufige Schleusentreppe mit zwei parallelen Linien, die bereits 2003 in Betrieb ging und ebenfalls in ihrer Klasse die weltweit größte Anlage darstellt.

Das Schiffshebewerk des "Drei Schlucht Projekt". In nur 22 Minuten Nettofahrzeit überwinden Passagierschiffe den Höhenunterschied von über 110 Metern. (#3)

Das Schiffshebewerk des „Drei Schlucht Projekt“. In nur 22 Minuten Nettofahrzeit überwinden Passagierschiffe den Höhenunterschied von über 110 Metern. (#3)

Frachtschiffe überwinden mit dem Schiffshebewerk den Höhenunterschied innerhalb drei bis vier Stunden. Kleine und mittelgroße Passagierschiffe (bis 3.000 t Verdrängung) stellen jedoch den größten Anteil am Schiffsaufkommen. Sie benötigen für die Auffahrt lediglich 40 Minuten, davon entfallen 22 Minuten auf die reine Nettofahrzeit.

Mit Schleusen und Hebewerk unterstützt das „Drei Schlucht Projekt“ auch ganz massiv die Schifffahrt, für die der Yangtsekiang oftmals nur schwer passierbar ist. Gerade die Regenzeit verursacht starke Schwankungen des Wasserpegels.

Die Schleusenanlage im "Drei-Schlucht-Projekt" ist über 6,4 Kilometer lang, nimmt man Ein-und Ausfahrtstrecken hinzu. Zwei parallele fünfstufige Schleusentreppen machen hier der Schiffahrt den Weg frei. (#2)

Die Schleusenanlage im „Drei-Schlucht-Projekt“ ist über 6,4 Kilometer lang, nimmt man Ein-und Ausfahrtstrecken hinzu. Zwei parallele fünfstufige Schleusentreppen machen hier der Schiffahrt den Weg frei. (#2)

Wasserkraft in China

Das „Drei Schlucht Projekt“ ist nicht das einzige Projekt mit dem Ziel der Energiegewinnung aus Wasserkraft. Neben dem bekannten „Drei Schlucht Projekt“ gibt es weitere, wenn auch wesentlich kleinere Wasserkraftwerke. Die nachfolgende Tabelle gibt eine Übersicht.

Die größten Wasserkraftwerke Chinas
Name des Kraftwerks Installierte Leistung (Megawatt) Fluss Status
Drei Schluchten 22.500 Jangtsekiang in Betrieb
Baihetan 16.000 Jangtsekiang im Bau befindlich
Xiluodu 13.860 Jangtsekiang in Betrieb
Wudongde 8.700 Jangtsekiang im Bau befindlich
Xiangjiaba 6.448 Jangtsekiang in Betrieb
Longtan 6.300 Westfluss in Betrieb
Nuozhadu 5.850 Mekong in Betrieb
Jinping II 4.800 Yalong Jiang in Betrieb
Laxiwa 4.200 Gelber Fluss in Betrieb
Xiaowan 4.200 Mekong in Betrieb
Jinping I 3.600 Yalong Jiang in Betrieb
Ertan 3.300 Yalong Jiang in Betrieb
Pubugou 3.300 Dadu He im Bau befindlich
Goupitan 3.000 Wu Jiang in Betrieb
Guanyinyan 3.000 Jangtsekiang in Betrieb
Lianghekou 3.000 Yalong Jiang im Bau befindlich
Gezhouba 2.715 Jangtsekiang in Betrieb
Quelle: Wikipedia

Bildnachweis: © shutterstock – Titelbild ProfStocker, #1 gyn9037, #2 PRILL, #3 Hans Wagemaker, #4 jejim

Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

Leave A Reply