Im Kammerbezirk Nordrhein, der die Regierungsbezirke Düsseldorf und Köln umfasst, versorgen derzeit lediglich 1.893 öffentliche Apotheken die Bevölkerung. Diese anhaltende Abnahme lokaler Versorgungsstellen verhindert kurze Wege zwischen Patienten und Fachpersonal. Dr. Armin Hoffmann und Stefan Derix von der Apothekerkammer warnen davor, dass ohne ein geregeltes GKV-Fixhonorar kritische Lücken in der Arzneimittelversorgung entstehen. Eine Stärkung der Apothekeninfrastruktur ist unerlässlich, um flächendeckende Beratung und Notfalldienste sicherzustellen. Politische Entscheidungsträger müssen jetzt zeitnah handeln.
Inhaltsverzeichnis: Das erwartet Sie in diesem Artikel
Trend hält seit 25 Jahren an und bereitet Sorge
Mit Stand 1. April 2026 betreiben im Kammerbezirk Nordrhein, in dem die Regionen Düsseldorf und Köln liegen, noch 1.893 öffentliche Apotheken ihre Serviceleistungen. Im Vergleich zum Jahresanfang ging die Anzahl durch sieben Schließungen und lediglich vier Neueröffnungen von 1.896 auf 1.893 zurück. Dieser Rückgang über mehr als 25 Jahre signalisiert ein schleichendes Problem. Dr. Armin Hoffmann warnt eindringlich vor den negativen Folgen für die flächendeckende Arzneimittelversorgung und fordert zügiges Gegensteuern.
Arzneimittelversorgung zwischen Niederrhein und Bergischem Land derzeit erheblich herausgefordert
Die aktuelle Datenanalyse hat gezeigt, dass im Kammerbezirk Nordrhein über einen Zeitraum von fünfzehn Monaten siebenundvierzig Apotheken geschlossen wurden. Das bedeutet einen Rückgang von 2,4 Prozent der öffentlichen Apotheken. Damit geht einher, dass sich die Versorgungsdichte zwischen Niederrhein und Bergischem Land verringert hat. Diese Entwicklung wirft Fragen zur Zukunft der regionalen Arzneimittelversorgung auf, da weniger Standorte längere Anfahrtswege und eingeschränkte Erreichbarkeit bedeuten. Eine flächendeckende Versorgung ist dadurch zunehmend infrage gestellt.
Apotheker warnen in Berlin Düsseldorf Hannover München vor Versorgungskrise
Apothekerinnen und Apotheker haben sich in den letzten Wochen in Berlin, Düsseldorf, Hannover und München zu Demonstrationen zusammengeschlossen. Mit Plakaten und Redebeiträgen machten sie auf die prekären wirtschaftlichen Rahmenbedingungen aufmerksam, die das Fortbestehen kleinerer Apotheken gefährden. Dabei unterstrichen sie ihren Anspruch auf angemessene Vergütung über das GKV-Fixhonorar und forderten ein koordiniertes Vorgehen aller politischen Ebenen, um die flächendeckende Medikamentenversorgung sicherzustellen und ihre Berufsgruppe langfristig zu stärken sowie öffentliche Debatten anzuregen.
Versorgungssicherheit leidet durch Schließung öffentlicher Apotheken nachts und Notdienst
Dr. Stefan Derix unterstreicht, dass jede Schließung einer öffentlichen Apotheke unmittelbar spürbar die Versorgungssicherheit beeinträchtigt. Gemeinsame Untersuchungen der Apothekerkammern Nordrhein und Westfalen-Lippe bestätigen, dass trotz einer Apotheke in jeder Gemeinde die Erreichbarkeit im Nacht- und Notdienst schlechter wird. Bereits jetzt gilt: Patientinnen und Patienten müssen längere Strecken zurücklegen, um dringend benötigte Arzneimittel zu erhalten. Diese Verzögerungen können im medizinischen Ernstfall zu gefährlichen Versorgungsengpässen führen und das gesundheitliche Risiko erhöhen.
Kommunen und Landräte müssen Apothekensterben durch Anreizsysteme aktiv bekämpfen
Kammerpräsident Dr. Hoffmann warnt davor, dass ein Gewöhnungseffekt an das fortlaufende Aus von Apotheken politische Handlungsspielräume verengen könnte. Wenn das „Apothekensterben“ als unabwendbar erscheine, fehlten lokal tätigen Entscheidungsträgern wie Bürgermeistern und Landräten die Impulse, aktiv die Eröffnung oder Nachhaltigkeit von Apotheken zu fördern. Dabei gewährleisten Apotheken ohne Terminzwang und mit flexiblen Notdiensten schnelle Unterstützung – besonders relevant für Bewohner entlegener Landkreise. Umdenken sei unerlässlich, um ländliche Gesundheitsangebote zu sichern.
Apotheken sind keine Kostenstellen, sondern elementarer Bestandteil der Versorgung
Mit Blick auf die Gutachten der Expertenkommission zur Stabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung appellieren Hoffmann und Derix, Apotheken nicht als Ausgabeposten zu behandeln. Vielmehr sind Apotheken laut ihren Aussagen zentrale Versorgungsstationen, die durch pharmazeutische Expertise, Qualitätskontrollen und patientenorientierte Leistungen das Gesundheitssystem stützen. Ihre flächendeckende Präsenz und Schnellversorgungsfunktion entlasten Kliniken und Arztpraxen, steigern die Arzneimitteltherapiesicherheit und sichern eine verlässliche Gesundheitsversorgung.
Die sachlich begründete Bitte um Anhebung des Fixhonorars soll die Attraktivität der Apothekenstandorte erhöhen und ein nachhaltiges Geschäftsmodell sichern. Gesundheitsministerin Nina Warken befürwortet diesen Schritt als wichtigen Beitrag zur Erhaltung einer flächendeckenden Versorgung, insbesondere in strukturschwachen Gebieten. Junge Apothekerinnen und Apotheker erfahren dadurch wertvolle Unterstützung bei Gründung und Nachfolgeregelung. Eine rasche Umsetzung könnte zudem die Wirtschaftskraft der lokalen Gesundheitsbranche stärken und regionales Versorgungsnetz stabilisieren. Langfristig werden Wettbewerbsfähigkeit und Innovationsfähigkeit verbessert.
Aus dem Koalitionsvertrag geht hervor, dass das pauschale Fixhonorar für Apotheken rasch anzuheben ist. Die Umsetzung bis Jahresende ist erforderlich, um die Rentabilität kleinerer Apotheken zu garantieren und die flächendeckende Arzneimittelversorgung zu stabilisieren. Die Bundesgesundheitsministerin Nina Warken genießt hierbei uneingeschränkte Zustimmung der Apothekerschaft. Gerade junge Pharmazeutinnen und Pharmazeuten benötigen signalkräftige politische Entscheidungen, um mit überzeugenden wirtschaftlichen Perspektiven in Übernahmen oder Neugründungen zu investieren und langfristig tragfähige Versorgungsstrukturen aufzubauen zu verankern.
Apotheken in Wohnortnähe gewährleisten durch unkomplizierte Beratungsangebote, kurze Wartezeiten auf Rezepte und flächendeckende Organisation des Apothekennotdienstes eine zuverlässige Versorgung mit Arzneimitteln. Die fortgesetzten Schließungen im Kammerbezirk Nordrhein reduzieren jedoch die räumliche Dichte dieser Einrichtungen, verlängern die Wege vor allem in ländlichen und peripheren Zonen und beeinträchtigen die Verfügbarkeit dringend benötigter Medikamente. Nur stabile politische Unterstützung, wirksame finanzielle Anreize wie ein angepasstes GKV-Fixhonorar und bestehende Dialogformate können hier Gegenmaßnahmen erwirken effektiv.

