Trans-Eurasia-Express: erster Containerzug über neue Route in Hamburg eingetroffen

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Als kommerzielle Zugverbindung zwischen China und Westeuropa ist der Trans-Eurasia-Express gesetzt. Mehr als 60 Züge verkehren auf der über 10.000 Kilometer langen Strecke wöchentlich, zum Beispiel zwischen Shenzhen und Duisburg. Am 25. Oktober erreichte erstmals ein Containerzug über eine neue Verbindung das DUSS-Terminal in Hamburg-Billwerder.

Trans-Eurasia-Express: erfolgreiches Joint-Venture seit 2008

Der Trans-Eurasia-Express wurde im Jahr 2008 ins Leben gerufen. Die heutige DB Cargo Eurasia GmbH vermarktet das erfolgreiche Vehikel. Der Trans-Eurasia-Express entstand als Joint Venture zwischen den Unternehmen DB Mobility Logistics (40 %), Rossijskije schelesnyje dorogi (RŽD, 30 %),

Blockzug von China nach Westeuropa

Der Start begann auf kürzeren Teilstrecken zwischen Deutschland und den GUS-Staaten bzw. Russland, so zum Beispiel auf der Route von Duisburg nach Moskau, die seit 2010 in nur sieben Tagen durchmessen wird.

Nordroute über die Transsib

Der erste Testzug nahm sich die 10.000 Kilometer der Stracke China-Westeuropa am 6. Oktober 2008 vor. Die Reise begann für die Fracht in Xiangtan (ca. 700 Kilometer nördlich von Hongkong) und führte nach Hamburg. Der Zug war ein sogenannter Company Train, der von einem Kunden komplett gebucht wurde. Der Zug lief über die Nordroute in nur 17 Tagen bis Hamburg. Von China aus lief der Zug über die Transsibirische Eisenbahn zunächst nach Nowosibirsk, dann über Omsk, Jekaterinburg nach Moskau. Von dort aus führte die Route des Zugs über Weißrussland und Polen bis nach Hamburg.

Südroute über Kasachstan

Ein anderer Zug lief auf der kürzeren Südroute über Kasachstan in 16 Tagen von Chongqing nach Duisburg. Der Unterschied in der Streckenlänge macht immerhin 2.000 Kilometer aus. Dafür muss man auf der Südroute im Gegenzug mit mehr Zollformalitäten rechnen. Mit rekordverdächtigen 15 Tage Laufzeit glänzte ein Zug im August des Jahres 2013, der die 10.218 Kilometer von Zhengzhou nach Hamburg mit hoher Geschwindigkeit durchmaß. Die Strecke Asien – Westeuropa wird von mittlerweile mehreren Anbietern bedient.

„Shanghai-Express“: Erster Containerzug erreicht am 25. Oktober 2021 Hamburg

Am 28. September erreichte ein Containerzug des „Shanghai-Express“ das DUSS-Terminal in Hamburg-Billwerder. Mit knapp einem Monat brauchte der Zug unerwartet lange. Allerdings hatte der Containerzug auch mit Überschwemmungen im mittleren Westen Chinas zu kämpfen, was ihm Verspätungen einbrachte. Hinter der chinesischen Landesgrenze lief der Zug durch Kasachstan und Weißrussland und gelangte dann über Małaszewicze in Polen in die EU.

Fünfzig 40-Fuß-Container führte der Zug nach Hamburg, die Kleidung, Schuhe, Glaswaren, Autoteile, Photovoltaik, Kochutensilien, Möbel, Lampen und andere Konsumgüter geladen hatten. Die Rückfahrt des Zuges (Strecke Hamburg – Shanghai) wird innerhalb eines Monats erfolgen, so TONG Jisheng, Vorsitzender des Betreibers.

Plan: Containerverkehr im Wochentakt

Diese Zugverbindung soll für Containerverkehre im Wochentakt betrieben werden. Die Frequenz der Züge soll allerdings nicht auf diesem Level bleiben. Zwei bis drei Züge sollen jede Woche verkehren. Die Route wird schon jetzt stark nachgefragt. Bis Ende 2021 sind alle planmäßigen Fahrten bereits ausgebucht.

Guter CO2-Fussabdruck trotz Zugewinn an Geschwindigkeit

Vergleicht man die Zugverbindung mit dem Schiffstransport, zeigt sich ein angenehmes Bild, sowohl fürs Klima als auch in wirtschaftlicher Hinsicht. Gegenüber dem Schiffstransport spart der Zug etwa 95% des CO2-Ausstoßes ein. Kann der Zug die Planlaufzeit von 14 Tage einhalten, liegt man bei der Hälfte des entsprechenden Schiffstransports. Für Seefrachten aus eben dieser Region rechnet man im Mittel um die 35 Tage.

Auch wenn die typische Laufzeit des Zuges derzeit noch bei 21 Tagen liegt, ist dies eine erfreuliche Verkürzung um knapp 50%. Der Zeitvorteil schlägt seit 2020 verstärkt zu Buche. Dies ist auf die geltenden Schwefeleinsparungsgesetze zurückzuführen, welche seit dem Januar 2020 Schiffen das Fahren mit Spitzengeschwindigkeiten verbieten.

Container-Umschlag für China: 2,4 Millionen Standardcontainer im Hamburger Hafen

Der Handel mit China ist für den Hafen Hamburgs bedeutsam. Immerhin fast jeder dritte umgeschlagene Container ist in Hamburg auf den China-Handel zurückzuführen. Hamburg schlägt pro Jahr etwa 2,4 Millionen Standardcontainer (TEU) um, die entweder aus China kommen oder nach China laufen. Schon im Jahr 2020 konnte die Bahn etwa 230 Verbindungen zwischen Hamburg  und China pro Woche vermarkten. Diese Alternative zum See- und Luftverkehr ist ein viel frequentiertes Produkt der Bahn. Auf der Schiene wurden im Jahr 2020 bereits etwa 107.000 Standard-Container zwischen China und Hamburg transportiert.

Über den Autor

Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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