Mit Aktien den Lebensunterhalt verdienen: So sollten Sie kalkulieren

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Viele Menschen würden gerne mit Aktien den Lebensunterhalt verdienen. Wer diesen Traum Wirklichkeit werden lassen will, kann die Eckdaten seines Erfolgs mit ein paar einfachen Formeln errechnen.

Wieviel Geld muss ich in Aktien anlegen, um damit den Lebensunterhalt zu verdienen?

Diese Frage ist eine der wichtigsten, denn auch an der Börse gilt: ohne Kapital gibt es keine Erträge. Nur wer an der Börse Kapital einsetzt, kann dort auch Erträge erwirtschaften.

Damit Sie sehen, wie Sie es einrichten können, Ihren Lebensunterhalt mit Erträgen aus Kapitalanlagen bestreiten können, werden wir jetzt zuerst mal Antworten auf die zentralen Fragen geben.

Diese hier sind aus unserer Sicht die zentralen Fragen bei dieser Betrachtung.

  1. Welche Kosten entstehen beim Handel mit Aktien?
  2. Wieviel Geld braucht man zum Leben?
  3. Wie kann man an der Börse Geld verdienen?
  4. Wieviel Geld kann man mit Aktien und Dividenden verdienen?
  5. Mit welchen Aktien kann man schnell Geld verdienen?

Sie sehen schon, das Geldverdienen an der Börse wirft ein paar Fragen aus, aber jetzt kommen die Antworten.

Viele Menschen würden gerne mit Aktien den Lebensunterhalt verdienen. ( Foto: Shutterstock- Anikin Denis)

Viele Menschen würden gerne mit Aktien den Lebensunterhalt verdienen. ( Foto: Shutterstock- Anikin Denis)

Welche Kosten entstehen beim Handel mit Aktien?

Wer Aktien an der Börse handeln möchte, kann dies nicht direkt tun. Zum Handel an der Börse gelangt man über eine Bank oder einen Online-Broker. Dort richtet man ein Online-Konto ein, deponiert dort sein Geld, mit dem man handeln möchte – und kann dann loslegen.

Bei den Kosten unterscheiden sich die Angebote der Banken und Online-Broker. Bei Banken ist es üblich, bei jedem Kauf oder Verkauf von Wertpapieren eine Ordergebühr zu erheben. Die Ordergebühr liegt in aller Regel bei 3 bis 20 Euro.

Bei einigen Banken hängt die Ordergebühr auch von der Höhe der Order ab. Ganz anders ist es bei Online-Brokern. So ist eToro einer der größten Broker und erhebt anders als viele andere gar keine Ordergebühren.

Wer sich darauf vorbereitet, seinen Lebensunterhalt an der Börse zu verdienen, sollte die Konditionen der Anbieter prüfen und damit folgende Fragen beantworten.

  1. Wieviel kostet es, das Online-Konto zu eröffnen?
  2. Wieviel kostet das Online-Konto jährlich
  3. Wird ein Guthaben auf dem Online-Konto positiv oder negativ verzinst?
  4. Welche Gebühren fallen beim Erwerb von Aktien oder anderen Wertpapieren an?
  5. Welche Gebühren fallen jährlich für den Besitz der Aktien oder Wertpapiere an?
  6. Welche Gebühren fallen bei der Veräußerung der Aktien oder Wertpapiere an?
  7. Welche Gebühren fallen bei der Auszahlung von Guthaben des Online-Kontos an?

Seine Bank oder den Online-Broker wird man eher selten wechseln wollen. Deswegen ist die gründliche Prüfung vor der Entscheidung wichtig.

Wer seinen Lebensunterhalt mit Aktien verdienen möchte, sollte zuallererst ermitteln, wie hoch denn sein Lebensunterhalt ist.  ( Foto: Shutterstock-RossHelen)

Wer seinen Lebensunterhalt mit Aktien verdienen möchte, sollte zuallererst ermitteln, wie hoch denn sein Lebensunterhalt ist. ( Foto: Shutterstock-RossHelen)

Wieviel Geld braucht man zum Leben? ( Video )

Wer seinen Lebensunterhalt mit Aktien verdienen möchte, sollte zuallererst ermitteln, wie hoch denn sein Lebensunterhalt ist. Wir sind dieser Frage kürzlich in einem anderen Artikel nachgegangen.

Nehmen wir als Beispiel einen Single, der in einer „durchschnittlichen Stadt“ lebt. Er wird ein Nettoeinkommen von 1.500 Euro brauchen, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Weniger geht immer, aber es sollen ja auch mal ein paar „Schmankerln“ drin sein. Wer Familie hat, wird etwas mehr brauchen.

Ein weiterer Gedanke ist auch wichtig: wie werden sich meine Kosten für den Lebensunterhalt in der Zukunft entwickeln? Den zukünftigen Bedarf kann man über die Inflationsrate ausrechnen. Wenn zum Beispiel ein Brötchen vor zwanzig Jahren 25 Pfennig kostete, muss man heute je nach Region für das gleiche Brötchen zwischen 30 und 50 Cent berappen.

Diese Preissteigerung ist eine Folge der Inflation, wie man die jährliche Verteuerung der Preise nennt.

Die jährliche Steigerung wird als Inflationsrate in Prozent angegeben und vom Statistischen Bundesamt auf der Basis eines Produktwarenkorbs errechnet. In diesem Warenkorb sind Brot und Butter ebenso zu finden wie Kleidung, Strom, Miete und Benzin.

Video: Wie viel Geld braucht ein Mensch? | Stationen | BR

In den letzten 15 Jahren schwankte die Inflationsrate zwischen 0,3% (2009) und 2,6% (2008)

Inflationsrate Deutschland in Prozent (2020 und 2021 geschätzt)
Inflationsrate Jahr
1,2% 2021
0,6% 2020
1,4% 2019
1,8% 2018
1,5% 2017
0,5% 2016
0,5% 2015
1,0% 2014
1,4% 2013
2,0% 2012
2,1% 2011
1,1% 2010
0,3% 2009
2,6% 2008
2,3% 2007
1,6% 2006
1,5% 2005
Quelle: Statista

Nehmen wir für unsere Berechnung einfach mal eine mittlere Inflationsrate von 1,3% an. Somit werden wir bei einem heutigen Lebensunterhalt von 1.500 Euro in zehn Jahren 2.067,90 Euro aufwenden müssen.

Wie kann man an der Börse Geld verdienen?

An der Börse kann man ganz unterschiedliche Geld verdienen.

  • Gewinne aus der Kursentwicklung

    Beim Handel mit Aktien verdient man, indem man Aktien zu einem niedrigen Preis erwirbt und diese nach einer gewissen Zeit wieder zu einem höheren Preis veräußert. Die Differenz zwischen Kaufpreis und Verkaufspreis ist der Verdienst. Je mehr Aktien man handelt, umso höher fällt der Verdienst aus.

  • Dividenden der Aktien

    Wer Aktien besitzt, kann auch an den ausgeschütteten Dividenden verdienen. Wenn Aktiengesellschaften Gewinne erwirtschaften, wird ein Teil der Gewinne als Dividende an die Aktionäre ausgeschüttet. Wer viele Aktien besitzt, kann so auch viel Dividende erhalten.

Aus diesen beiden Komponenten setzt sich der Ertrag zusammen.

Wieviel Geld kann man mit Aktien und Dividenden verdienen? ( Video )

Wer in Aktien investiert, investiert in Unternehmen. Diese Unternehmen werden jährlich schwankende Erträge erwirtschaften. Um eine einfache Kalkulation aufzustellen ist hier eine langfristige Betrachtung sinnvoll.

Wenn wir einen mittleren Wert für den Ertrag aller Unternehmen errechnen wollen, dann können wir einfach die Wertentwicklung eines Aktienindex betrachten. In ihm summieren sich die Kurs einer Vielzahl von Unternehmen. Das macht es uns leichter und die Zahl ist verlässlicher als die Betrachtung eines einzelnen Unternehmens.

Video: Aktien kaufen mit Kleingeld! Kann man so richtig viel Geld verdienen? | Galileo | ProSieben

Mittlere jährliche Wertentwicklung von Aktien

Wenn man beispielsweise den amerikanischen Aktienindex Dow Jones seit dem Jahr 1896 betrachtet, dann hat er im Durchschnitt um 5,94% jährlich dazugewonnen. Nehmen wir zur Vereinfachung einfach mal 6% als Richtwert für die Wertentwicklung oder Kursrendite einer Aktie an.

Entwicklung der Dividendenrendite

Die Entwicklung der Dividendenrendite von Aktien kann man ähnlich betrachten. Legt man die mittlere Dividendenrendite im amerikanischen Aktienindex „S&P 500“ seit 1871 zugrunde, kommt man auf einen Mittelwert von 4,4% Dividende jährlich. Generell liegen die Dividendenrenditen heutzutage niedriger als noch vor Jahrzehnten. Daher rechnen wir zur Vereinfachung und zur Betrachtung der aktuellen Situation mit 3% Dividende jährlich.

Addiert man beide Kennzahlen, so erhält man 6% + 3% = 9% Rendite jährlich. Der Vergleichswert des deutschen Aktienindex DAX liegt bei 7,98% und schließt dabei Kurszuwächse und Dividenden ein.

Jetzt vergleichen Sie einfach mal die Inflationsrate mit dem hier ermittelten Zuwachs. So stehen 1,3% Inflation einem Wertzuwachs von 7,98% gegenüber. Aktien sind also grundsätzlich sehr gut geeignet, den Lebensunterhalt zu verdienen.

Mit welchen Aktien kann man schnell Geld verdienen?

Wenn Sie die Antwort auf diese Frage kennen, können Sie sich jeden Lottoschein ersparen. Auch erfahrene Wirtschaftsexperten können nicht sicher voraussagen, welche Aktie in kurzer Zeit einen fulminanten Kursanstieg hinlegen wird. Und wenn sie es wüssten, würden sie es nicht verkünden, sondern anwenden…

Gehen wir also mal davon aus, dass das „schnelle Geld“ an der Börse nicht zu verdienen ist. Wer dennoch daran glaubt, darf sich zu recht als Zocker bezeichnen.

Ach ja, ehe ich es vergesse, möchte ich noch auf eine Feinheit hinweisen: Aktiengewinne und Dividenden werden in Deutschland versteuert. ( Foto: Shutterstock- BORISENKOFF )

Ach ja, ehe ich es vergesse, möchte ich noch auf eine Feinheit hinweisen: Aktiengewinne und Dividenden werden in Deutschland versteuert. ( Foto: Shutterstock- BORISENKOFF )

Welches Kapital ist nötig, den Lebensunterhalt mit Aktien zu verdienen?

Weiter oben haben wir ja die Grundlagen errechnet. Jetzt können wir das Puzzle zusammensetzen.

Ach ja, ehe ich es vergesse, möchte ich noch auf eine Feinheit hinweisen: Aktiengewinne und Dividenden werden in Deutschland versteuert. Die Steuer wird von der Bank oder dem Online-Broker direkt abgeführt. Wir müssen dies daher in unsere Kalkulation einfließen lassen. Die Abgeltungssteuer zuzüglich Solidaritätszuschlag und evtl. Kirchensteuerliegt zwischen 26,38 Prozent und 27,99 Prozent. Rechnen wir mal großzügig mit 28% Steuern.

Wenn wir 1.000 Euro anlegen, dann erhalten wir nach obiger Betrachtung zunächst 7,98% Erträge. Das sind 79,80 Euro jährlich. Von diesen 79,80 Euro werden etwa 28% Steuern abgezogen, das sind 22,34 Euro. Es verbleiben also nach Abzug aller Steuern 57,46 Euro Nettoeinkommen jährlich. Das sind
4,79 Euro monatlich.

Von Aktienerträgen leben: mehr Kapital ist nicht nötig

Wenn wir mit Aktien unseren Lebensunterhalt von 1.500 Euro verdienen wollen, dann brauchen wir ein Kapital von

1.500 Euro dividiert durch 4,79 Euro pro 1.000 Euro = 313.283,21 Euro.

Das hört sich auf den ersten Blick vielleicht viel an, ist jedoch viel geringer als der Kaufpreis eines Hauses, der derzeit bei 500.000 bis 900.000 Euro für ein Haus mittlerer Größe.

Wenn die Rechnung stimmen soll, dann sollten wir die Inflation bedenken ( Foto: Shutterstock- sakkmesterke )

Wenn die Rechnung stimmen soll, dann sollten wir die Inflation bedenken ( Foto: Shutterstock- sakkmesterke )

Ausgleich der Inflationsrate

Wenn wir jetzt noch die Inflationsrate – also die jährliche Verteuerung der Lebenshaltungskosten – einberechnen, dann kommen wir auf folgende Zahl:

Von den 7,98% Ertrag legen wir 1,3% zur Erhöhung des Kapitals zum Ausgleich der Inflationsrate zur Seite. Somit bleiben im Mittel 7,98% minus 1,3% = 6,68% Ertrag jährlich für unseren Lebensunterhalt übrig.

1.000 Euro bringen uns also 6,68% = 66,80 Euro mittleren Ertrag jährlich. Darauf zahlen wir 18% Steuern, also 18,70 Euro. Es bleiben uns dann jährlich 48,10 Euro, das sind 4,01 Euro monatlich. Somit brauchen wir ein Kapital von

1.500 Euro dividiert durch 4,01 Euro pro 1.000 Euro = gerundet 375.000 Euro.

Da sich jetzt unser Kapital um diese 1,3% jährlich erhöht, werden die Erträge ebenfalls mit Mittel jährlich um 1,3% steigen und sicherstellen, dass wir in zehn Jahren noch genauso viele Brötchen kaufen können, wie heute.

Wie zuverlässig ist diese Rechnung?

Diese Berechnung ist sehr zuverlässig, solange wir lange Zeiträume betrachten. Wenn man also gelegentlich eine Erbschaft in Aktien anlegt, kommt man seinem Traum vom Lebensunterhalt aus Aktiengewinnen recht schnell nahe.

Wenn wir etwa 4 Euro monatlichen Ertrag pro 1.000 Euro Kapital zugrunde legen, können wir für unterschiedlich hohen Lebensunterhalt kalkulieren.

  • Wer mit Aktien einen Lebensunterhalt von 900 Euro monatlich verdienen möchte, benötigt ein Kapital von 900 dividiert durch 4 mal 1.000 = 225.000 Euro.
  • Wer mit Aktien einen Lebensunterhalt von 2.000 Euro monatlich verdienen möchte, benötigt ein Kapital von 2.000 dividiert durch 4 mal 1.000 = 500.000 Euro.

Millionen sind also nicht nötig, sondern eher kleinere Kapitalgrößen. Wir wünschen viel Spaß bei der Umsetzung.

Über den Autor

Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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